Malerei zwischen Wasser und Luft, Himmel und Erde. Ein Gemälde von Maria Sainz Rueda

Aktualisiert: März 27

Bildanalyse Dschin II ist ein großformatiges Bild mit einem äußerst niedrigen Horizont, das den Blick in den weiten Himmel und eine ausgedehnte Wasserlandschaft eröffnet. Die Seelandschaft ist ganz der Fantasie der Künstlerin entsprungen und hat kein reales Vorbild. Verbunden mit der Perspektive und dem gewählten Bildausschnitt evoziert das Gemälde Freiheit und endlose Weite. Himmel und Erde scheinen ineinander überzugehen, miteinander zu verschmelzen.


Die Werkentstehung Sainz Rueda beschreibt die Werkgenese und die Arbeitsweise als plastischen Prozess, in welchem sie oftmals mehr Farbe von der Leinwand wieder zu entfernen scheint, als dass sie aufträgt. Vom Entstehungsprozess her ist es interessant zu erfahren, dass die gelbgrünen abstrakten Farbflächen zu den ältesten Partien des Bildes gehören und fast von Anfang an vorhanden waren, während die gesamte Leinwand im Prozess große Veränderungen erlebte. Nur der hellgrüne Fleck links oben wurde zu einem späteren Zeitpunkt hinzugefügt.


Miteinander ringende Elemente

Die Arbeit an diesem Bild ist nicht nur technisch aufwändig und besonders zeitintensiv, sondern sie ist als Ringen, als Kampf zwischen den Farben und den Elementen zu begreifen: Wasser und Luft, Himmel und Erde, Grau und Rot, Blau und Gelb. Wie bei einem reinigenden Gewitter geht es in diesem Gemälde um die Balance, den Ausgleich und das Gleichgewicht der Kräfte. Im Mittelpunkt stehen hier die ringenden Wolkengebilde, die eine wahre Auseinandersetzung der Farben Rot und Dunkelgrau darstellen. Auch und gerade in Verbindung mit ihrer aufwändigen Arbeitsweise des Auftragens und wieder Entfernens von Farbe, zeigt dies, dass es der Künstlerin hier jedoch nicht ausdrücklich um spirituelle Mächte ging. Selbst zu den „Dschinni“, den übersinnlichen Wesen bzw. Geistern der arabischen Welt, sieht sie abgesehen von der Wolkenform, welche an unsere Vorstellung an „Flaschengeister“ anspielen, keinen spezifischen Bezug. Ihr geht es vorrangig um die im malerischen Sinne miteinander ringenden Materialien, wobei ihr flächiger, sehr dünner Farbauftrag und die glatte Bildoberfläche nichtsdestotrotz plastischen Charakter und Tiefe erhalten, wodurch das Bild einen hohen ästhetischen und abstrakten Wert gewinnt.

Die "Widersprüchlichkeit über die Andeutung" Besonders interessiert sich die Künstlerin für „die Widersprüchlichkeit über die Andeutung. Etwas, das erahnbar wird und doch wieder verschwimmt“. Die leuchtenden und im Kontrast stehenden Farben verweisen auf die Kraft der Gedanken. Wie die christlichen Grundwerte Glaube, Liebe und Hoffnung (Briefe des Paulus an die Korinther, 13) den Menschen besonders in schwierigen Situationen einen starken Halt geben, so scheinen sie in Notzeiten doch partiell zu entschwinden. Aber auch wenn sie aus dem Bewusstsein verschwunden und für die Augen unsichtbar sind, so sind sie doch stets präsent. Die Liebe als tragende Kraft ist auch im Strahlen der Sonne zu erleben, der Farben und der klaren, reinen Luft, die einem Gewitter nachfolgen, wie wir es in diesem Gemälde erleben. Dem Bild gibt das noch mehr Tiefe und eine transzendente Deutungsebene.

Bisherige Präsentationen Bevor das Bild zu seinen in eine Privatsammlung überging, wurde Dschin II im Kunstraum „Westpol A.I.R.Space“ in Leipzig und in Walldorf ausgestellt. Wie der Titel besagt, gibt es für Dschin II ein Vorgängerbild. Das deutlich kleinere Ölgemälde Dischin I befindet sich zum aktuellen Zeitpunkt in einer Kölner Privatsammlung. Kunsthistorische Bezüge Thematisch erinnert die Szene stark an die späte Landschaftsmalerei William Turners mit seinen Seestücken, wie etwa das kleine Gemälde Wellen, die sich gegen den Wind brechen (1835) in der Tate Britain, London, um nur ein Beispiel seines reichen Schaffens zu nennen. Der markant in das Bild hineinragende und es zum Betrachter formal abgrenzende Felsen sowie die völlig glatte Bildoberfläche erinnern an Gemälde Caspar David Friedrich, wie etwa Eismeer (1823–24) in der Hamburger Kunsthalle. Kennzeichnend für die Epoche der Romantik schaffen beide Künstler eine innige Verbindung zwischen menschlichen Emotionen und der sie umgebenden Natur, welche sie ins Bild setzen. Genau wie Sainz Rueda, so stellen sie keine vordergründig realistischen Szenen, sondern vielmehr „Seelenlandschaften“ und „innere Landschaften“ dar. Technische Aspekte

Neben der Verbindung zur romantischen und zur postimpressionistischen Malerei ist die Technik des Gemäldes (Öl auf Malerei) die klassische Technik der europäischen Malerei seit dem 15. Jahrhundert. Da sie in der Anwendung mehr Zeit in Anspruch nimmt, als neuere Malmittel, gehen viele zeitgenössische Maler heute verstärkt zu Farben wie Acryl und wasserlöslichen Ölfarben über. In der Ölmalerei müssen zwischen den einzelnen Farbschichten stundenlange Trocknungszeiten einkalkuliert werden.


Über die Künstlerin Maria Sainz Rueda (geb. 1976) In der klassischen Malerei an der HGB Leipzig als Meisterschülerin von Neo Rauch sowie als Studentin des „Starmachers“ Arno Rink ausgebildet, verfügt Maria Sainz Rueda über ein herausragendes technisches Handwerkszeug. Bei Rink, dessen Assistent lange Zeit Neo Rauch war, studierten unter anderem auch Tim Eitel, Christoph Ruckhäberle, Tilo Baumgärtel und David Schnell. Sainz Ruedas Bild-themen sind ausgesprochen vielfältig, wobei sie einen deutlichen Schwerpunkt auf die Landschaftsmalerei und Figurendarstellung setzt. Oftmals von klaren Primärfarben dominiert, sind ihre Bilder farblich intensiv und leuchtend. Fließende Übergänge zwischen den einzelnen Farben und abstrakte, rein malerische Elemente erhöhen den Wiedererkennungswert und den künstlerischen Wert im Allgemeinen, indem sie ihre Handschrift als Künstlerin unterstreichen. Die in Deutschland geborene Malerin mit Wurzeln in Spanien zeigt starke künstlerische Anlehnungen an die Epoche der Romantik. Allen voran stehen ihrer Kunst der große britische Meister William Turner (1775–1851) Pate, aber auch Caspar David Friedrich (1774–1824), der französische Post-Impressionist Pierre Bonnard (1867–1947) und der zeitgenössische, international gefeierte schottische Maler Peter Doig (geb. 1959). Doig ist für fast die gesamte Neue Leipziger Schule von hoher Bedeutung.


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Als promovierte Kunsthistorikerin und Schriftstellerin arbeite ich an der Schnittstelle von Kunst, Wissenschaft und Literatur. Kaum etwas liegt mir mehr, als mich in den intensiven Dialog mit einem einzelnen Gemälde zu vertiefen, alles darüber herauszufinden und aufzuschreiben. Aus diesem Grund habe ich ein System der individuellen Kunstanalyse entwickelt, die allein dazu dient, dem Bildeigentümer eine hervorragende Grundlage für das weitere Nachdenken, die Auseinandersetzung und das kompetente Kunstgespräch zu liefern. Im besten Fall spreche ich mit dem Künstler oder der Künstlerin persönlich im Atelier.


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Bildnachweise: Dschin II © Maria Sainz Rueda, 2014. Dschin II, 2014, Öl auf Leinwand, 180 x 140 cm, Privatsammlung Aus urheberrechtlichen Gründen können die Abbildungen online nicht gezeigt werden. Turner: Zink, Jörg, Dia-Bücherei christliche Kunst, Bd. 13, Eschbach, Verlag am Eschbach, 1984, S. 113. Friedrich: Börsch-Supan, Helmut, Caspar David Friedrich,München: Prestel-Verlag, cop. 1973.


































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